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Aus Märkische Allgemeine Zeitung  www.MaerkischeAllgemeine.de /Archiv
20.10.2006 / Dahme-Spreewald
Auf Spurensuche

Kooperation mit Synagoge: Gymnasium will jüdisches Leben erforschen

WILDAU Künftig wollen die Gymnasiasten der "Villa Elisabeth" das jüdische Leben und die Lebenswege jüdischer Menschen in der Region erforschen. Dafür wurde gestern eine Kooperation mit der Stiftung Neue Synagoge Berlin abgeschlossen.

Hermann Simon, Direktor der Stiftung, hatte gleich einen Vorschlag, der ihm bei der Fahrt nach Wildau eingefallen war. "Vielleicht bekommt Ihr etwas über die Artistenfamilie Fiocci in Zeuthen heraus. Dieser Familie verdankt meiner Mutter ihr Überleben in der Nazizeit." Sie wurde damals von der Artistenfamilie versteckt. Simons Nachforschungen blieben bisher ohne Erfolg.

Auch Bürgermeister Uwe Malich hatte sofort eine Anregung für die Schüler parat: "Arthur Rosenbauer war bis 1931 in Wildau Gemeindevorsteher. Dann soll er nach Berlin gekommen sein. Doch dort verliert sich seine Spur."

Malich freut sich über das Projekt der Privatschule. "Viele Dinge aus der Vergangenheit Wildaus sind nicht überliefert. Da sind weiße Flecke. Es ist aber wichtig, sie zu kennen. Man muss wissen, wo man herkommt." Die Schüler werden mit dem Freundeskreis der "Friedenskirche Wildau" auf Spurensuche gehen. Dabei sollen Gemeinsamkeiten des christlichen und des jüdischen Lebens eine Rolle spielen. "Wenn man zum Beispiel allein die Riten betrachtet, wird es viele Verbindungen geben", meinte Christian Ritter vom Freundeskreis.

Nächste Woche werden Schüler die Synagoge in Berlin besuchen. Erste Gespräche gab es mit der jüdischen Gemeinde in Königs Wusterhausen. Schulleiterin Sabine v. Platen kann sich vorstellen, dass Schüler mal dort an einem Fest teilnehmen. "Wir wissen viel zu wenig über die Mitmenschen", so Platen. "Dabei ist gerade das so wichtig, um einander zu tolerieren."

Die Idee zu diesem Projekt sei in der Schule entstanden, erzählte sie. "Ich unterrichte seit 25 Jahren Deutsch und in der Neunten behandeln wir das Tagebuch der Anne Frank. Sind wir durch, wird das Buch zugeklappt und die Sache ist beendet." Betroffenheit allein nütze nichts. So entstand die Idee, sich mit dem Leben jüdischer Mitbürger zu beschäftigen. Stiftungsdirektor Simon glaubt schon jetzt: "Das wird eine spannende Sache." Er freut sich auf die ersten Ergebnisse. Simon: "Wir treffen uns wieder in einem Jahr." step

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