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RÜDIGER
BRAUN
WILDAU - Der Bildungsminister sitzt unterm weißen
Zelt zwischen einem guten Duzend jungen Leuten, trinkt Kaffee und schaut
in die Runde: "Ja, was wollt ihr denn so wissen? Ihr könnt mich
alles fragen", sagt Steffen Reiche (SPD). Die Schüler des privaten
Gymnasiums "Villa Elisabeth", die im Garten ihrer neuen Wildauer
Zweigstelle schon alles für den "Nationenabend" geschmückt
haben, sind verlegen. Endlich fragt eine junge Frau, warum in Informatik
denn immer noch das uralte Turbo-Pascal unterrichtet werde. Da erfährt
sie vom Minister, dass ihr Lehrer sie über das Wesen der Rahmenpläne
wohl "nicht genau informiert" habe. Die ließen viel Spielraum
zu - auch für andere Programmiersprachen.
Besondere Ausrichtung des Unterrichts
Es ist der 365. Schulbesuch Reiches. Vor der Station in Wildau hatte er am
Eichwalder Gründungsort des Privatgymnasiums einer mündlichen Prüfung
beigewohnt. Der Kandidat hatte eine Eins bekommen. "Das ist eine
Schule, in der viel Innovatives gemacht wird", sagt Reiche der MAZ
nach absolviertem Programm. Besonders innovativ findet er, dass sich die
Schule stark an "biologischen Lernrhythmen" der jungen Leute
orientiere. Will heißen: Vor halb neun fängt hier kein Unterricht an.
Dem Geschäftsführer und Mitbegründer Kristof von Platen liegt mehr die
"ganz besondere Art der Ausrichtung und des Unterrichts" am
Herzen. Eine Woche ist den Geisteswissenschaften gewidmet, die nächste
den Naturwissenschaften. Klassen haben nur eine Größe von 20 Schüler,
was diese sehr schätzen. Eine Unterrichtseinheit dauert 110 Minuten.
Davon sind 60 Minuten reiner Unterricht. Nach einer Pause folgen 40
Minuten Vertiefung. Hausaufgaben gibt es keine. Sein pädagogisches Credo
sei "schon leistungsorientiert", sagt von Platen. Zur
Leistungsorientierung gehört auch eine von Reiche gelobte Abschlussprüfung
am Ende jedes Schuljahres: "Die Schüler lernen damit schon von
Anfang an Prüfungssituationen kennen", so von Platen.
In diesem Leistungsanspruch, der sich auch auf das Betragen erstreckt,
stimmt von Platen mit seiner Frau Sabine überein. Als der Westler von
Platen sie 1990 kennen lernte, war sie noch Bildungsdezernentin. Mit ihrem
späteren Mann verwirklichte sie 1994 ihren Traum von der Privatschule.
Jetzt ist sie deren Leiterin und erzählt Reiche vom Stress der
Anfangsjahre. Die Chemikalien fürs aufzubauende Schul-Labor haben die
Lehrer zum Beispiel von umliegenden Schulen in Auflösung zusammengesucht.
Begonnen hatte der Unterricht in der Eichwalder "Villa
Elisabeth" mit 26 Schülern. Über 300 sind es an den drei Standorten
inzwischen. Das Kollegium umfasst 25 Lehrer.
Eine Schule der Nationen
Jetzt ist von Platen dabei, seiner Schule eine internationale Ausrichtung
zu geben. 40 Ausländer hat die Schule inzwischen. Sie kommen aus China,
Russland, der Ukraine und anderen Staaten. "Wir wollen herausstellen,
dass Internationalität etwas völlig Normales ist", betont er. Unter
dem Motto "Schule der Nationen" wird an diesem Mittag eine Fahne
gehisst. Die Schulleiterin möchte der chinesischen Schüler wegen, dass
Brandenburg ein Abitur mit Chinesisch als Fremdsprache anerkennt. Reiche
ermuntert sie, zusammen mit drei anderen Schulen, einen Antrag zu stellen.
"Ich finde es gut, dass wir diese Option anbieten", sagt Reiche
zum Projekt Privatschule. Da die Zahl der öffentlichen Schulen abnehme,
werde der Anteil der Schulen in freier Trägerschaft - 88 sind es
inzwischen - irgendwann bei sechs Prozent liegen. "Brandenburg bietet
günstige Bedingungen für Schulen in freier Trägerschaft", fügt
der Minister hinzu. Schon nach drei Jahren bekommen sie bis zu 97 Prozent
ihrer Personalkosten vom Land erstattet. Sachkosten müssen sie über die
Gebühren hereinholen. In der Villa Elisabeth sind es 310 Euro im Monat.
Reiche ist auch stolz darauf, dass die freien Schulen ab Anfang kommenden
Jahres in den Schülertransport einbezogen werden. Um die "Villa
Elisabeth" vollends glücklich zu machen, muss er jetzt nur noch das
Abitur mit Chinesisch durchsetzen.
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