Staatlich anerkannte Privatschule mit internationaler Ausrichtung

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Aus Märkische Allgemeine Zeitung  www.MaerkischeAllgemeine.de /Archiv
vom 21.06.03 

REICHE BESUCHT PRIVAT-GYMNASIUM "VILLA ELISABETH" / 
"VIEL INNOVATIVES!" 
Ein Lob dem Biorhythmus

RÜDIGER BRAUN

WILDAU - Der Bildungsminister sitzt unterm weißen Zelt zwischen einem guten Duzend jungen Leuten, trinkt Kaffee und schaut in die Runde: "Ja, was wollt ihr denn so wissen? Ihr könnt mich alles fragen", sagt Steffen Reiche (SPD). Die Schüler des privaten Gymnasiums "Villa Elisabeth", die im Garten ihrer neuen Wildauer Zweigstelle schon alles für den "Nationenabend" geschmückt haben, sind verlegen. Endlich fragt eine junge Frau, warum in Informatik denn immer noch das uralte Turbo-Pascal unterrichtet werde. Da erfährt sie vom Minister, dass ihr Lehrer sie über das Wesen der Rahmenpläne wohl "nicht genau informiert" habe. Die ließen viel Spielraum zu - auch für andere Programmiersprachen.

Besondere Ausrichtung des Unterrichts

Es ist der 365. Schulbesuch Reiches. Vor der Station in Wildau hatte er am Eichwalder Gründungsort des Privatgymnasiums einer mündlichen Prüfung beigewohnt. Der Kandidat hatte eine Eins bekommen. "Das ist eine Schule, in der viel Innovatives gemacht wird", sagt Reiche der MAZ nach absolviertem Programm. Besonders innovativ findet er, dass sich die Schule stark an "biologischen Lernrhythmen" der jungen Leute orientiere. Will heißen: Vor halb neun fängt hier kein Unterricht an.

Dem Geschäftsführer und Mitbegründer Kristof von Platen liegt mehr die "ganz besondere Art der Ausrichtung und des Unterrichts" am Herzen. Eine Woche ist den Geisteswissenschaften gewidmet, die nächste den Naturwissenschaften. Klassen haben nur eine Größe von 20 Schüler, was diese sehr schätzen. Eine Unterrichtseinheit dauert 110 Minuten. Davon sind 60 Minuten reiner Unterricht. Nach einer Pause folgen 40 Minuten Vertiefung. Hausaufgaben gibt es keine. Sein pädagogisches Credo sei "schon leistungsorientiert", sagt von Platen. Zur Leistungsorientierung gehört auch eine von Reiche gelobte Abschlussprüfung am Ende jedes Schuljahres: "Die Schüler lernen damit schon von Anfang an Prüfungssituationen kennen", so von Platen.

In diesem Leistungsanspruch, der sich auch auf das Betragen erstreckt, stimmt von Platen mit seiner Frau Sabine überein. Als der Westler von Platen sie 1990 kennen lernte, war sie noch Bildungsdezernentin. Mit ihrem späteren Mann verwirklichte sie 1994 ihren Traum von der Privatschule. Jetzt ist sie deren Leiterin und erzählt Reiche vom Stress der Anfangsjahre. Die Chemikalien fürs aufzubauende Schul-Labor haben die Lehrer zum Beispiel von umliegenden Schulen in Auflösung zusammengesucht.

Begonnen hatte der Unterricht in der Eichwalder "Villa Elisabeth" mit 26 Schülern. Über 300 sind es an den drei Standorten inzwischen. Das Kollegium umfasst 25 Lehrer.

Eine Schule der Nationen

Jetzt ist von Platen dabei, seiner Schule eine internationale Ausrichtung zu geben. 40 Ausländer hat die Schule inzwischen. Sie kommen aus China, Russland, der Ukraine und anderen Staaten. "Wir wollen herausstellen, dass Internationalität etwas völlig Normales ist", betont er. Unter dem Motto "Schule der Nationen" wird an diesem Mittag eine Fahne gehisst. Die Schulleiterin möchte der chinesischen Schüler wegen, dass Brandenburg ein Abitur mit Chinesisch als Fremdsprache anerkennt. Reiche ermuntert sie, zusammen mit drei anderen Schulen, einen Antrag zu stellen.

"Ich finde es gut, dass wir diese Option anbieten", sagt Reiche zum Projekt Privatschule. Da die Zahl der öffentlichen Schulen abnehme, werde der Anteil der Schulen in freier Trägerschaft - 88 sind es inzwischen - irgendwann bei sechs Prozent liegen. "Brandenburg bietet günstige Bedingungen für Schulen in freier Trägerschaft", fügt der Minister hinzu. Schon nach drei Jahren bekommen sie bis zu 97 Prozent ihrer Personalkosten vom Land erstattet. Sachkosten müssen sie über die Gebühren hereinholen. In der Villa Elisabeth sind es 310 Euro im Monat. Reiche ist auch stolz darauf, dass die freien Schulen ab Anfang kommenden Jahres in den Schülertransport einbezogen werden. Um die "Villa Elisabeth" vollends glücklich zu machen, muss er jetzt nur noch das Abitur mit Chinesisch durchsetzen.

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