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Wir sprachen über die Romantiker
und ihre Verachtung für die Philister, also die Spießer ihrer
Zeit. Hier nun einige Glossen auf die Philister der heutigen Zeit:
Andreas Claaßen (Gk
Deutsch 13 a)
Gewöhnliche,
ungewöhnliche Menschen
Spießer leben nicht. - Sie arbeiten sich lediglich ihrem Ruhestand
entgegen. Sie richten sich ihr Leben nach dem Vorbild des - aus
ihrer Sicht - normalen Menschenbilds ein, welches sich jedoch
wiederum am langweiligen, alltäglichen Ottonormalverbraucher
orientiert.
Kultur-, Poesie-, Kunst- und Musikgeschmack werden ihnen von der
Gesellschaft vorgeschrieben bzw. völlig außer Acht gelassen.
Zu dem Zeitpunkt, wo den Spießern ihr Leben zu eintönig verläuft,
- insofern dies überhaupt möglich ist -, suchen sich die
Betroffenen - einem Ertrinkenden gleich - ein Rettungsboot, um nicht
aus lauter Langeweile Amok zu laufen. Solche Spießer leben nach der
Regel des Siebentagefiebers. Dieses gebietet es ihnen etwa, jeden
Sonntag zusammen mit ihrem furchtbar aufregenden Partner eine
drittklassige Tanzschule zu besuchen, in der sie die gleichen
eintönigen Grundschritte für sämtliche Gesellschaftstänze
einüben - was für sie jedoch die extreme Aufregung und einen
wöchentlichen Ausgleich bedeutet.
Sonst ist da nicht viel. Bettruhe ist spätestens nach dem
täglichen SAT 1-0815-Film und das Einzige, was einen Spießer in
diesem Zustand noch vor sich selbst retten könnte, wäre ein
Stromausfall.
Aber...
Auch Spießer sind Menschen... und
somit lernfähig. Da sie gesellschaftliche Anlässe aus lauter Angst
vor Konversation ignorieren, sind sie zwar nur selten auf Partys
oder gar Hochzeiten anzutreffen, aber dort verwandeln sie sich nach
ein paar Drinks und dank ihrer Unerfahrenheit im Umgang mit Alkohol
nach kurzer Zeit in wahre Partylöwen. Als Alleinunterhalter sind
sie demnach ein echter Geheimtipp.
Aber sie wären ja keine Spießer, wenn sie solche Abende am
nächsten Morgen mit einem fremden Menschen neben sich im Bett nicht
bereuen würden...
Emilia Kühn (Gk Deutsch 13 a)
Max
Mustermann im Ameisenhaufen
Ein Philister, eine Bezeichnung aus der
Romantik, ist ein ein Mensch, der sich nach den Normen der
Gesellschaft richtet. Wie ein Ahornblatt im Herbst fällt dieser vom
Ast, lässt sich vom Wind treiben, bis er auf dem Boden landet und
als Fußabtreter verwendet wird. Sein Leben ist einwandfrei
anständig und von der Schnullerfarbe bis zum Grabstein geplant. Bis
zum Vergiss-mein-nicht ist er verängstigt vor der Heldentat
Eigenverantwortung zu übernehmen. Drum versteckt er sich im
sicheren Ameisenhaufen vor unzurechnungsfähigen Freidenkern.
Und nun bleibt noch die rhetorische Frage: Kann Max Mustermann aus
seinem selbsterstellten Käfig befreit werden, wenn er doch schon
als frischgeborenes Baby eine gebügelte Lands'End-Modekollektion
besaß?
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