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Schiller und das Cello
Eine musikalisch-szenische Lesung des Werks "Der
Verbrecher aus verlorener Ehre"
Sie erhebt sich. Ihr Blick ist starr
und durchdringend auf das Publikum gerichtet. Langsam setzt sie sich
in Bewegung und marschiert dabei direkt auf die erste Reihe zu. Die
dort sitzenden Zuschauer weichen unwillkürlich auf ihren Plätzen
zurück. Ihr Instrumentenbogen knallt ein weiteres Mal auf das
Cello. Kurz bevor sie das Publikum erreicht, dreht sie sich
ruckartig nach rechts und setzt so ihren Weg fort.
Die eben beschriebene Szene hätte gut zu einem Horrorfilm mit dem
Titel "Cello des Todes" oder ähnlich gepasst, aber nein
es war lediglich eine musikalische Unterlegung zu Friedrich
Schillers Stück "Der Verbrecher aus verlorener Ehre". Im
Nationaltheater in Weimar wird derzeit eine musikalisch-szenische
Lesung aufgeführt, der diese Szene entstammt. In dem Stück geht es
um den jungen Christian Wolf, den das Leben mit einem schweren
Schicksal und schlechtem Aussehen bestraft hat. Als nun seine
Angebetete nichts von ihm wissen will und er bei der Beschaffung von
Geld für Geschenke als Wilddieb erwischt wird, nimmt das Unheil
seinen Lauf. Nach drei Jahren Haft ist er der Ansicht, dass alles,
was ihm noch bleibt, seine Selbstachtung und Hass auf die Menschheit
ist. Doch erst als er einen Mord begeht, erkennt er, wie unschuldig
er im Vergleich dazu vorher war.
Ein fesselndes Thema, da sich Schillers Werk vor allem mit den
Ursachen der Taten und nicht mit den Verbrechen an sich
beschäftigt. Umgesetzt wurde es nun von zwei Personen mit einem
Bühnenbild, das sich aus fünf Stühlen zusammensetzte; Bernd
Lange, der das Stück vorlas und Monika Herrmann, die mithilfe ihres
Cellos die musikalische Unterlegung vornahm. Für mich persönlich
war es das erste Mal, dass ich einer solchen Lesung beiwohnte und
meiner Meinung nach ist es eine interessante Idee, ganz getreu nach
dem Motto "weniger ist mehr". Dadurch sollte man sich wohl
ganz von Bernd Langes Stimme leiten lassen, sich nur auf die
Geschichte konzentrieren und die beschriebenen Emotionen durch das
Cello intensiver vermittelt bekommen. Leider hatte das Instrument
die genau gegenteilige Wirkung. Es lenkte einen ab, riss einen aus
der Handlung, so dass man Schwierigkeiten hatte, der Geschichte zu
folgen, und übertönte teilweise sogar den Leser. Ob die vielen
schiefen Töne beabsichtigt waren oder rein zufällig entstanden
sind, weiß mit Sicherheit nur Frau Herrmann selbst, doch auch sie
trugen nicht gerade zur Steigerung der Konzentration bei und am Ende
der Lesung war ich sicherlich nicht die einzige, die froh war, dem
quietschenden Instrument und der schlechten Luft entkommen zu sein.
Alles in allem lässt sich sagen, dass ein interessantes Werk und
eine gute Idee leider furchtbar umgesetzt wurden. Allen, die keinen
Spaß am Selber lesen haben, rate ich, Bernd Lange doch das nächste
Mal zu einem CD-Player an seiner Seite zu überreden.
Eva Schubring, Gk Deutsch 12b
Überraschend gut
In Weimar besuchten wir die
musikalisch-szenische Lesung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre -
eine wahre Geschichte", gespielt von Bernd Lange mit Begleitung
von Monika Herrmann am Cello.
Die Geschichte Verbrecher aus
Infamie - eine wahre Geschichte von Friedrich Schiller handelt
von dem Sonnenwirt Christian Wolf, mit dessen Wirtschaft es nach dem
Tod seines Vaters bergab ging. Zusätzlich ist er durch ein
unansehnliches Äußeres bestraft. Christian ist in die schöne
Johanne verliebt, die seine Gefühle jedoch nicht erwidert. Er
versucht, sich ihre Liebe zu erkaufen, da er jedoch nicht genug Geld
besitzt, um ihr teure Geschenke zu besorgen, beginnt er mit der
Wilderei. Nach einiger Zeit wird er erwischt und muss eine
Geldstrafe bezahlen, durch die seine wirtschaftliche Not noch
gesteigert wird. Aufgrund fehlender Alternativen führt er die
Wilderei fort. Nachdem er ein weiteres Mal verhaftet wird, muss er
für ein Jahr ins Zuchthaus. Er hat diese Strafe verbüßt, trotzdem
beginnt er wieder mit der Wilderei und wird zu drei Jahren
Strafarbeit auf einer Festung verurteilt. Auch danach begibt er sich
zurück in seinen Heimatort, wo er mittlerweile nicht mehr geachtet
wird. Seine Johanne ist durch Krankheit und Prostitution geschändet
und die Wirtschaft verkauft. Er folgt erneut seiner Berufung als
Wilddieb und tötet nun aus Vorsatz alles Wild, das er finden kann.
Als er einen Hirsch verfolgt, begegnet er dem Jäger, der Johanne
bekam und ihn ins Gefängnis brachte, und tötet diesen. Er flieht
und begegnet einer Bande von Dieben, Huren und Mördern, deren
Anführer er wird. Christian ist bei der Bande angesehen,
beschließt jedoch, den Rest seines Lebens als ehrlicher Soldat zu
verbringen, weshalb er sich von der Gruppe abwendet. Als er bei
einer Grenzkontrolle die Nerven verliert, wird er verhaftet und
später gibt er zu, der Sonnenwirt zu sein, der schon lange gesucht
wird.
In dem Stück geht es nicht darum, dass
eine Tat begangen wurde, sondern warum.
Es geht vor allem um moralische Werte. Dem Schauspieler Bernd Lange
ist es sehr gut gelungen, die Besonderheiten der Erzählung
hervorzuheben. Kleinere Abschnitte der Geschichte hat er entfallen
lassen, da diese nicht zu Verständnis beitragen. Dies ist sehr
wichtig, weil so die Spieldauer verkürzt wurde und das Publikum
durchgehend konzentriert blieb. Der Wechsel aus Vorlesen und
Erzählen hilft der Lesung, weil Lange so häufig dem Publikum
direkt zugewandt war. Die Geschichte mit einem Instrument zu
verdeutlichen und bildhaft zu machen, war eine sehr gute Idee. Durch
die Cello-Begleitung war das Stück abwechslungsreich und spannend.
Nur in der Wahl des Instruments hätte ich etwas Vielfältigeres
gewählt, um deutlichere Akzente zu setzen. Man kann diese
Vorführung nicht als Theater bezeichnen, da nichts wirklich
szenisch dargestellt wurde. Trotzdem war dies von den kulturellen
Veranstaltungen, die wir mit der Klasse besuchten, eine der besten.
Niclas Schwartau, Gk Deutsch 12b
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