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Unsere Schulleiterin Frau Dr. von Platen
sitzt auf der Bühne und lässt die Füße baumeln, während die
Gäste in kleinen Grüppchen stehen, mit einem Glas Sekt oder
Orangensaft in der Hand. Sie könnten über das Wetter, Flüchtlinge
in Italien, bestimmte Lehrer oder das Theaterstück reden, welches
gleich aufgeführt wird. Sie könnten sich aber auch über den eben
unterzeichneten Kooperationsvertrag unseres Gymnasiums mit dem
Seniorenheim unterhalten. Um was auch immer es in den Gesprächen
geht, Frau Dr. von Platen unterbricht sie mit einem dreimaligen
Glockengeräusch, da echte Glocken nicht zur Hand sind. Die Gäste
werden über die Hintergründe und Mühe des Theaterstücks informiert
und schon erklingt eine Fanfarenmelodie, die erkennen lässt, dass
jetzt der große Zeitpunkt gekommen ist. Johann Wolfgang von Goethes
"Faust" wird von Schülern unserer Schule inszeniert. Frau
Dr. von Platen preist dies als "höchsten Kunstgenuss" und
entschuldigt schon im vornherein Patzer und Pannen, die hoffentlich
nicht passieren werden. Nachdem Nicolas Pooch aus der 7a Goethes
"Zauberlehrling" sehr schön rezitiert, tritt Robert Martin
aus der 9b auf die Bühne und spielt den Theaterdirektor, der die
Ungeduld des Publikums zum Ausdruck bringt. Dann öffnet sich der
Vorhang zum ersten Mal und man sieht Gott, dargestellt von Lukas
Schramm aus der 10b. Regungslos schaut er in die Ferne, als Claudio
Quien-Parimbelli aus der selben Klasse als Mephisto auf die Bühne
tritt. Sein weißes Gesicht mit Panda-Augen und rotverschmiertem
Lippenstift verzieht sich hämisch und er verneigt sich vor dem
Publikum. Mit sichtbarer Freude versucht er, den Herrn zum Blinzeln zu
bringen, doch der verzieht keine Miene. Als der Teufel beginnt zu
sprechen, erwacht Gott aus seiner Starre und die beiden diskutieren
über das Leben auf Erden. Mephisto wettet, dass er es schafft, den
Doktor Faust auf seine Seite zu bringen und verabschiedet sich vom
Herrn. Der Vorhang schließt sich und während Mephisto dem Publikum
versichert, dass er gern mit Gott rede, tauchen zwei Füße durch den
Vorhang, auf denen in Großbuchstaben GOTT geschrieben ist. Der
Vorhang öffnet sich nach dem Monolog des Teufels und Robert Martin
als Faust sitzt an einem Tisch in seinem Studierzimmer und liest ein
Buch. Dann beginnt er, über die Welt und das Wissen zu klagen. Er ist
unzufrieden und frustriert, da er alles studiert hat, was man
studieren kann, aber doch nicht weiterkommt. Faust strebt nach
Erkenntnis und erzählt dem Publikum, dass er sich der Magie ergeben
habe. Der Vorhang schließt sich und nach einem kurzen Zwischentext
hat sich das Bühnenbild nicht geändert, bis auf den Faust, der jetzt
schulterlange, dunkle Locken hat: Florian May aus der 11a hat diese
Szene übernommen. Deprimiert ist er aber immer noch, als es an die
Tür klopft und nach dreimaligem "Herein" Mephisto, gespielt
von Charline Nahlik (11a), eintritt. Die beiden schließen einen Pakt:
Wenn der Teufel Faust zur absoluten Zufriedenheit bringen kann, dass
sein Wissensdurst befriedigt ist, wird Faust sterben und Mephisto in
der Hölle dienen. Mephisto, gespielt von Fabian Loßner (11a)
schreitet gleich zur Tat und schleppt Faust, der diesmal von Felix von
Rautenberg-Garczynski aus der 10a dargestellt wird, in eine Kneipe, wo
Fußballfans aus den unterschiedlichsten Klassen sich betrinken. Das
ist jedoch gar nichts für Faust, es ist ihm viel zu primitiv und
unter seinem Niveau, also muss sich Mephisto etwas anderes einfallen
lassen, damit Faust glücklich wird. Der Vorhang unterbricht die
Besoffenen, die sich gerade gegenseitig die Nasen klauen, und David
Runge aus der 11a tritt mit einer Gitarre in der Hand auf die Bühne.
Einen Stuhl hat er sich auch mitgebracht und so macht er es sich
bequem und begrüßt seelenruhig das Publikum. Er sagt, er werde zur
musikalischen Auflockerung "Zu heiß" von Farin Urlaub von
den Ärzten singen. Das Lied berichtet von einer geplanten Revolution,
die durch unerträgliche Hitze unterbrochen werden musste. Da sieht
man mal, dass man sich nie auf das Wetter verlassen kann. David
verlässt die Bühne und nach einem Zwischentext bleibt der Vorhang
geschlossen. Geführt von einem eindringlichen Beat kommen drei Jungs
mit Mikrofonen in der Hand auf die Bühne. Johannes Plötz (8a),
Robert Hickmann und Tobias Schulze (10b) performen den
"Zauberlehrling" als Rap und gehen auf der Bühne total ab.
Das zaubert allen ein Grinsen in das Gesicht und so kann der Vorhang,
begleitet von Herumgeklimper auf dem Klavier, wieder geöffnet werden.
Ein schwarz angezogener Mann mit Franzosenmütze und einem Hefter in
der Hand, auf dem groß "FAUST" steht, betritt die Bühne
und weist Florian May und Charline Nahlik als Faust und Mephisto ihre
Plätze zu. Er spielt den Regisseur und meckert die Darsteller
ununterbrochen an. Diesen Part hat auch Robert Hickmann übernommen.
Mephisto will sein Vorhaben, Faust zu verjüngen, umsetzen und sie
werden von einer Hexe, die von Ina Huge aus der 11a gespielt wird,
unsanft begrüßt. Mephisto weist sie zurecht und zeigt erstmal, wer
der Boss ist. Danach hört die grünhaarige Hexe im lila Umhang ganz
auf Mephistos Kommando und braut Faust einen Zaubertrank, der ihn 30
Jahre jünger - und auf Frauen scharf macht. Das funktioniert
ausgezeichnet, denn gleich auf der Straße kommt den beiden Gretchen,
von Mona Holstein (10b) gespielt, entgegen. Felix von
Rautenberg-Garczynski als Faust macht sie an und kriegt eine harte
Abfuhr. Doch mit einem ausgeklügelten Plan und Mephistos Hilfe
gelingt es Faust schließlich, Gretchen von einem Rendezvous zu
überreden, bei dem sich die beiden näher kommen. Danach ist Gretchen
Hals über Kopf verliebt und Anna-Maria Horn (12b) zeigt stickend
Gretchens Sehnsucht. "Clair de lune", am Klavier gespielt
von Amelie Schreiber aus der 7b, unterstreicht die romantische
Stimmung. In der darauffolgenden Nacht treffen sich Faust und Gretchen
wieder und Faust bekommt, was er von Anfang an wollte: Gretchens
Unschuld. Ihrer Schuld bewusst, trifft sich Gretchen mit ihren
Freundinnen Mariechen und Lieschen und muss sich mit anhören, wie die
beiden über Bärbelchen lästern, der das Gleiche widerfahren ist.
Diese Szene wird in heutiger Zeit von Melissa Ullmann, Sophie-Isabell
Böttcher und Mona Holstein, alle aus der 10. Klasse, dargestellt.
Gretchen erfährt von ihrer Schwangerschaft und das spricht sich herum
wie ein Lauffeuer - auch von ihrem Bruder Valentin wird sie in der
nächsten Szene zurechtgewiesen. Vorher wird der aber noch von Faust
und Mephisto bei einem Fechtkampf so verletzt, dass seine Minuten
gezählt sind. Valentin wird von Robert Hickmann gespielt, während
Ina Huge die Rolle des Gretchens übernimmt. Nach seinem Tod rennt
Gretchen verzweifelt von der Bühne und ahnt nichts von dem, was Faust
und Mephisto erleben. Acht Mädchen aus den siebten, achten und
zehnten Klassen mit toupierten Haaren und verschmierten Gesichtern
spielen Hexen auf der Walpurgisnacht. Auch Isabell Ginko, eine
Ehemalige, unterstützt die Tanzgruppe bei der Aufführung. Sie
hüpfen übereinander, umeinander, ineinander, aufeinander und brauen
nebenbei einen Hexentrank, den sie nach ihren akrobatischen
Höchstleistungen genießen. Auch Faust und Mephisto sind bei dem
Spektakel dabei und Mephisto fühlt sich sichtlich wohl. In dieser
Zeit wurde Gretchen aber verhaftet, weil sie aus Verzweiflung ihr
neugeborenes Kind getötet hat und das Publikum wird durch ein
Musikstück von Robert Schumann wieder in eine ernste Stimmung
gebracht. Das Stück "Waldung, sie schwankt heran!" wird von
einem Quartett gesungen, bestehend aus Amelie Schreiber (7b), Laura
Krause (10b), Felix von Rautenberg-Garczynski (10a) und Florian May
(11a). Danach sieht man Gretchen, dargestellt von Anna-Maria Horn aus
der 12b, auf dem Boden sitzend in einem Kerker. Faust (Fabian Loßner)
und Mephisto (Robert Hickmann) kommen, um sie zu retten, doch sie
sieht voller Schreck den Teufel und will wegen ihrer Frömmigkeit
nicht mit ihm gehen. So ist sie zum Tode verurteilt und auch ihr Leben
neigt sich dem Ende zu, wie das Theaterstück. Nach Gottes Wort
schließt sich der Vorhang und alle Beteiligten versammeln sich auf
der Bühne. Von Applaus begleitet verbeugt sich jeder Einzelne, der
große oder kleine Rollen übernommen hat, denn jeder für sich war
wichtig für unsere Inszenierung. Unsere Eltern, die Lehrer,
Ehrengäste, Schüler und Senioren haben sich das Stück angesehen und
da sollte man sich die Frage stellen: Wäre Goethe nicht auch
begeistert? Er hatte das Stück beim Schreiben bestimmt genau so vor
Augen...
Laura Krause (10b)
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Es ist geschafft, unsere
"Faust"-Aufführung ging am Premierenabend mit viel Beifall über die
Bühne!
Vergessen war der Stress der vergangenen Wochen, als neben den zu schreibenden
Klausuren viele Proben anstanden - oft genug in Pausen, Freiblöcken und nach
dem Unterricht. Texte waren zu lernen, Kostüme zu besorgen, künstlerische
Krisen zu bewältigen; aber dies alles war vergessen, als die Akteure am Ende
auf der Bühne standen und sich ihren wohlverdienten Schlussapplaus abholten. So
umjubelt auf der Bühne stehend mochte der eine oder die andere tatsächlich zum
Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön!
Derart begeisterte und engagierte Schüler kann man im Unterrichtsalltag nicht
oft erleben und also kamen schon die ersten Anfragen, was wir denn als nächstes
aufführen würden. Wenn wieder genug Theaterbegeisterte zusammenkommen, finden
wir sicher etwas zum Singen, Schauspielern, Kämpfen, Tanzen und Musizieren. Mal
sehen, wen wir nach Shakespeare und Goethe auf die Bühne holen - erste
Vorschläge gab es schon, weitere sind willkommen.
Zum Schluss noch ein Dankeschön an alle, die uns unterstützten: Stiefväter,
die ihre Hochzeitsanzüge, und Großväter, die ihre Schlipse zu Verfügung
stellten, Lehrer, die von Zeit zu Zeit auf einige Schüler in ihrem Unterricht
verzichteten, und die Schulleitung, die für uns auch schon mal den Stundenplan
umstellte...
Susanne Schmors
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