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Nachdem wir im
April eine Gruppe der irischen St. Colmcille's Schule aus dem
Dubliner Vorort Knocklyon zu Gast hatten, entstand bei den Schülern
der 11. Klasse spontan der Wunsch, den Besuch noch in diesem
Schuljahr zu erwidern. Die Schulleitung war sofort bereit, dieses
Vorhaben zu unterstützen, und so fanden sich kurzfristig 10
Schüler, die in Begleitung von Herrn Dr. Klein die Reise antraten.
In bester Laune traf man sich am Nachmittag des 22. Mai am Flughafen
Schönefeld, wo allerdings gleich eine Flugverspätung angekündigt
wurde, so dass sich die Ankunft um gut zwei Stunden verschob. In
Dublin regnete es dann auch noch, was uns aber nicht davon abhielt,
die nähere Umgebung unserer Unterkunft zu erkunden und das
Abendessen nachzuholen. Am nächsten Morgen schien dann schon wieder
die Sonne, und so sollte es auch für die ganze restliche Zeit
unseres Aufenthalts bleiben - für Dubliner Verhältnisse höchst
ungewöhnlich. Der erste Tag stand ganz im Zeichen des Besuchs an
der St. Colmscille's Schule, wo wir sehr herzlich empfangen wurden.
Der Schulleiter, Mr. John McKennedy, und Miss Mary O'Farrell, die
uns bereits mit ihrem Deutschkurs besucht hatte, begrüßten uns
zusammen mit einer Gruppe von Schülern, von denen etwa die Hälfte
bereits alte Bekannte waren. So gab es denn auch keinerlei
Hemmungen, sofort miteinander ins Gespräch zu kommen. Je zwei
unserer Schüler wurden von zwei der irischen Schüler durch die
erst im Jahr 2000 eröffnete und sehr gut ausgestattete Schule
geführt, wobei es auch Gelegenheit gab, kurz in den Unterricht
hineinzuschauen. Zum Abschluss gab es ein schmackhaftes gemeinsames
Mittagessen, das von den Schülern zubereitet worden war. Viel zu
früh mussten wir wieder Abschied nehmen, doch gingen wir mit der
Hoffnung, dass dies erst der Anfang einer zukünftigen engeren
Beziehung war. Am Nachmittag begleitete uns einer der Schüler auf
unserem ersten Erkundungsgang durch Dublin, wo wir zunächst das
angesehene Trinity College besichtigten, wo auch das berühmte Book
of Kells ausgestellt ist, und dann im irischen Nationalmuseum
faszinierende Gegenstände aus der irischen Geschichte bewundern
konnten. Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft konnte auch schon
die eine oder andere Einkaufsgelegenheit ausgemacht werden. In
Anbetracht der recht hohen Preise in irischen Restaurants versorgten
sich die Schüler mit Lebensmitteln und bekochten sich selber in der
Küche des Hostels. Diese Unterkunft, der Jacob's Inn auf der
Nordseite der Liffey, war zwar recht einfach ausgestattet, erwies
sich aber auf Grund der zentralen Lage als geradezu ideal für
unsere Unternehmungen: fast alles war von dort aus zu Fuß zu
erreichen und auch die von uns benutzten öffentlichen
Verkehrsmittel waren nur wenige Minuten entfernt.
Der nächste Tag sollte uns einen
Einblick in die Geschichte Dublins verschaffen, und so besuchten wir
den ursprünglich von einer Stadtmauer umgebenen alten Stadtkern,
der auf eine Wikingersiedlung zurückgeht. Höhepunkte waren die
City Hall mit ihrer Ausstellung über die Geschichte Dublins, die
Burg mit der großartigen Chester Beatty Library sowie die beiden
(!) Kathedralen. Auf dem Rückweg besichtigten wir auch noch das
National Post Office, Ort des Osteraufstands von 1916 gegen die
britische Herrschaft, sowie die lebensgroße Statue von James Joyce,
des weltberühmten, aber erst nach seinem Tod in seiner Heimatstadt
zur Anerkennung gelangten Schriftstellers. Nach einer Erholungspause
ging es dann am Abend in einen irischen Pub, wo wir miterleben
konnten wie fröhlich die Dubliner, aber auch zahlreiche angereiste
Briten, das Wochenende feierten. Bei dieser guten Stimmung und der
offenen Art der Iren war es auch nicht schwer, mit anderen Gästen
in Kontakt zu kommen und eventuell noch vorhandene Hemmungen,
Englisch zu sprechen, zu verlieren. Da am Sonntag nur
eingeschränkte Besichtigungsmöglichkeiten bestanden, nutzten wir
den Tag zu einem Ausflug an die Küste nach Sandycove, bekannt durch
das erste Kapitel von James Joyce' Roman Ulysses. Von dort ging es
weiter zu Fuß in südlicher Richtung, wobei wir sowohl die Villen
der Dubliner Millionäre als auch immer wieder die schöne
Landschaft bewundern konnten. Erst gegen Abend trat die recht
erschöpfte Gruppe die Rückreise an. Diejenigen, die noch nicht zu
müde waren, besuchten noch den Filmabend im Hostel, wo allerdings
kein irischer, sondern ein amerikanischer Film gezeigt wurde.
Der letzte Tag war der Architektur und
den Künsten gewidmet: Dublin verfügt über eines der größten
erhaltenen Wohngebiete aus dem 18. Jahrhundert, wo seit jeher nicht
nur die Wohlhabenden, sondern auch viele Künstler gewohnt haben.
Vielen von ihnen, zum Beispiel Oscar Wilde, dessen Haus noch
erhalten ist, wurde in den angrenzenden Parks ein Denkmal gesetzt.
Die Schüler zeigten sich tief beeindruckt von der Anlage dieser
Parks, die seit gut 250 Jahren sorgfältig gepflegt werden. Den
Abschluss bildete ein Besuch der National Gallery, in der die
irische Kunst natürlich einen Schwerpunkt bildet, die aber auch
über sehr eindrucksvolle Sammlungen europäischer Kunst seit dem
Mittelalter verfügt. Die Schüler waren erstaunt, hier einem
holländischen Stilleben wieder zu begegnen, das ihnen bereits im
Kunstunterricht als Vorlage gedient hatte. Nach all diesen
kulturellen Anstrengungen gab es dann noch Zeit für das von einigen
langersehnte "Shopping", für das man sich von den
irischen Schülern den einen oder anderen Tip geholt hatte.
Schon früh am nächsten Morgen mussten
wir die Rückreise antreten - passenderweise wieder bei Regen. In
die Freude über die Rückkehr in vertraute Gefilde mischte sich
aber auch etwas Wehmut, dass wir nun von dieser schönen Stadt und
ihren freundlichen Bewohnern Abschied nehmen mussten. Vielleicht
wird es ja für den einen oder anderen ein Wiedersehen geben ...
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